Einblick
Indische Kunst
Moderne · Gegenwartskunst · Namen für morgen
Indische Gegenwartskunst hat in den letzten zwanzig Jahren eine eigene Sammlerwelt aufgebaut. Grosse Auktionshäuser führen sie als eigene Kategorie. Die bekanntesten Namen sind gesetzt. Darunter gibt es eine Generation von Künstlerinnen, deren Werk die Institutionen längst erkannt haben — und deren Preise noch nicht nachgezogen sind.
Kontext: Form, Linie, Tradition
Fensterornament (Jali), Indien, 16. Jh. — The Metropolitan Museum of Art, CC0 |
Miniaturmalerei, Indien, 18. Jh. — The Metropolitan Museum of Art, CC0 |
Nasreen Mohamedi
Nur Linien auf Papier. Kein Titel, keine Farbe, keine Figur. Mohamedi lehrte jahrzehntelang in Baroda und stellte kaum aus. Eine Huntington-Erkrankung machte ihre Bewegungen mit der Zeit kleiner — die Zeichnungen auch: feiner, präziser. Das MoMA widmete ihr 2015 eine Einzelausstellung.
Nalini Malani
Aufgewachsen in Kalkutta, erste Generation nach der Unabhängigkeit. Sie arbeitet mit Video, Wandmalerei und rotierenden Mylar-Zylindern, die Schatten werfen — Mythologie, Körper und Geschichte gleichzeitig, nichts aufgelöst. Documenta, MoMA, Tate Modern. 2023 Praemium Imperiale, der bedeutendste Kunstpreis Japans. Druckgrafiken und Papierarbeiten sind der Einstieg.
Zarina Hashmi
Nach der Partition lebte sie in fünf Ländern, zuletzt in New York. Ihre Holzschnitte zeigen Grundrisse von Häusern, die nicht mehr existieren — mit Urdu-Worten für Schwelle, Zimmer, Grenze. MoMA, Guggenheim. Sie starb 2020. Seither ist sie vermehrt auf internationalen Auktionen präsent.
Mrinalini Mukherjee
Sie arbeitete mit Hanf — geknotet, gefärbt, zu grossen organischen Formen zusammengezogen. Figuren zwischen Pflanze und Körper, zwischen Skulptur und Textil. MoMA. Gestorben 2015 in Delhi. Für Sammlungen mit Interesse am textilen Medium — vergleichbares Arbeiten mit textilem Material findet sich bei Alice Bailly — ist ihr Werk selten und noch zugänglich. Bailly und die Wolle als Malerei →
Shahzia Sikander
Ausgebildet in der klassischen indo-persischen Miniaturmalerei in Lahore. Sie übernahm die Technik — handgemachtes Papier, feinste Pinsel, Naturfarben — und füllte sie mit kolonialer Geschichte und neuen Bildwelten in derselben Komposition. Whitney, Tate, Aga Khan Museum. Kleine Papierarbeiten bei den grossen Häusern.
Weitere Namen
Arpita Singh und Anju Dodiya sind regelmässig auf internationalen Auktionen vertreten. Madhvi Parekh ist autodidaktisch und systematisch unterschätzt. Anupam Sud macht Druckgrafik — Würde ohne Sentiment, Qualitätüberhang zum Preis. Gogi Saroj Pal lehrt in Delhi und ist international kaum bekannt. Anjolie Ela Menon ist in staatlichen Sammlungen vertreten und stabil im Preis.
Auf den Auktionslisten ausserdem: Francis Newton Souza, Maqbool Fida Husain, Sayed Haider Raza, Tyeb Mehta, Akbar Padamsee, Ram Kumar, Krishen Khanna, Bikash Bhattacharjee, Ganesh Pyne, Bhupen Khakhar, K.G. Subramanyan, Laxma Goud, B. Prabha, Meera Mukherjee, Arpana Caur, Dayanita Singh, Ranjani Shettar, Bani Abidi, Rummana Hussain.
Haben Sie ein Werk aus diesem Umfeld? Kontakt →
Quellen: Nasreen Mohamedi — MoMA, New York, 2015 · Zarina Hashmi — Guggenheim Foundation · awarewomenartists.com · Nalini Malani — Praemium Imperiale 2023 · Shahzia Sikander — Whitney Museum of American Art · Mrinalini Mukherjee — MoMA, New York · Marktdaten — Christie’s Auction Results, Indische Kunst, 2019–2024 · Historischer Kontext — The Metropolitan Museum of Art, Open Access (CC0)
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